So war das Autumn Moon 2018

Tanzender Eskil Simonsson auf der Bühne des Autumn Moon Festivals 2018.
Eskil Simonsson von Covenant feiert auf dem Autumn Moon zusammen mit zahlreichen anderen Bands und vielen Fans.

Ein schwarzes Festival in ... wo?

Hameln? Wo ist das denn?

Und wann? Mitte Oktober?

Aber da kommt doch niemand hin!

Sollte man meinen – und könnte doch nicht falscher liegen. Vom 12.-13. Oktober präsentierte die kleine Festivalperle an der Weser über 40 große und kleinere Bands auf vier Bühnen, die Künstler des kostenfreien Mittelaltermarktes gab es obendrauf.

Was gab es noch? Tolle Musik, super Stimmung, gute Verpflegung, saubere Klos und jede Menge bestens gelaunte Künstler.

 

Das Autumn Moon fand 2018 zum 4. Mal statt und zog über 2.000 Besucher in die Rattenfängerstadt im Weserbergland. Die sommerlichen Temperaturen trugen sicherlich zur Festivallaune bei.

Den Anfang am Freitag machen Mila Mar in der Sumpfblume, einer kleinen, gemütlichen Location. Ob diese doch eher ruhige und experimentelle Band als Opener taugt? Auch Sängerin Anneke wirkt bei den ersten Songs so, als müsste sie sich erst mal einfinden, doch dann schlägt die Stimmung um und am Ende gibt es nach diversen Gänsehautmomenten tosenden Applaus.

Die Band Mila Mar in der Sumpfblume auf dem Autumn Moon Festival in Hameln.
Mila Mar in der Sumpfblume, einer kleinen, familiären Location auf dem Autumn Moon Festival.

Bei Vroudenspil (sprich: Freundenspiel) ist die Sumpfblume später deutlich weniger gefüllt als bei Mila Mar. Vor der Bühne gibt es genug Platz zum Tanzen, während auf der Bühne mit acht Leuten nicht mehr allzu viel Platz bleibt. Die selbsternannten Freibeuter-Folker lassen nichts anbrennen und spielen ihre schnellen Nummern mit deutschen Texten voller Spiel(manns)freude. Ungewöhnlich ist die Instrumentierung: Neben E-Gitarre und Schlagzeug gibt es unter anderem auch ein Saxophon, eine Klarinette und ein Akkordeon auf der Bühne. Eine schnelle und mitreißende Show, bei der kein Fanbein unbewegt bleibt.

Autumn Moon 2018: Vroudenspil auf der Bühne.
Vroudenspil rocken die Sumpfblume.

Derweil bieten die die drei EBM- und Aggrotechmusiker von Funker Vogt eine eher brachiale Show in der Rattenfängerhalle. Nicht nur sieht der Mikrofonständer aus wie ein Maschinengewehr, auch die Deko erinnert an einen Schützengraben, das Schlagzeug sieht aus wie eine Sammlung alter Fässer. Das passt zur Musik, ist in sich stimmig, und den Fans gefällt die Show, die schlussendlich sogar Pyrotechnik auffährt.

Funker Vogt auf dem Autumn Moon 2018
Funker Vogt auf dem Autumn Moon 2018

Danach ist erst mal Erholung angesagt: Auf der kleinen Schiffsstage (ja, die gibt es auch am Weserufer) lässt es sich am Heck gemütlich sitzen und Kaffee trinken, während im Bug Date at Midnight ihren schönen, klaren Wave verbreiten. 

Der anschließende Avantgarde-Rock von The Red Paintings aus Australien in der Sumpfblume wird  von dadaistischen Bühnenoutfits und Livepainting begleitet. Ein wenig politisch werden die bekennenden Vegetarier auch, wenn der Sänger Zeilen wie „The Revolution is never coming“ und „Animals are tested for your protection“ zum besten gibt. Der Sound scheint mit seinen starken Dynamiken von den frühen Nine Inch Nails geprägt, klingt aber eigenständig. Sie präsentieren nicht nur Eigenkreationen, sondern auch gelungene Cover. Dazu werden Menschen in schwarzen Anzügen und mit Plastik-Weltkugeln auf den Köpfen mit fluoreszierenden Farben bemalt.

Rechtzeitig zu INVSN (sprich: Invasion) und ihrem Post-Punk geht es wieder zurück in die Rattenfängerhalle. Sänger Dennis Lyxzén war früher unter anderem mit Refused unterwegs, und entsprechend hoch sind die Erwartungen. Die werden auch nicht enttäuscht: Sowohl Musik als auch die Performance machen gute Laune, Sänger Dennis verlangt dem Mikrofon alles ab, was man einem Ding an einer Schnur so abverlangen kann, und die gut gefüllte Halle feiert mit. Wie auch andere Sänger nutzt Dennis die Nähe zum Publikum für ein kleines Bad in der Menge.

Bild von Dennis Lyxzén auf dem Autumn Moon Festival in Hameln.
INVSN-Sänger Dennis Lyxzén macht auf dem Autumn Moon 2018 sowohl nähere Bekanntschaft mit dem Mikro als auch dem Hallenboden, was nicht nur die Beteiligten freut.

Highlight des Festival-Freitags sind eindeutig Fields of the Nephilim. Zum Headliner ist  es dann richtig, richtig voll. Aber wen wundert's, repräsentieren die Fields doch das Genre wie kaum eine andere Band. Leider erkennt man auch dicht vor der Bühne kaum etwas, denn die Band hat sich für den ausufernden Einsatz von Nebelmaschinen entschieden und sorgt so dafür, dass zumeist bis auf einige ominöse Gestalten im Nebel einfach nicht viel zu sehen ist.

Autumn Moon Schild in der Moon Stage 2018

der Samstag auf dem Autumn Moon

Der Samstag geht für uns gemütlich los. Aufgrund des anhaltend guten Wetters entschließen wir uns gegen die ersten Bands und für eine Schiffsfahrt mit der „Flotte Weser“ die ebenfalls am Weserufer stündlich ablegt. Uns begleiten die Marktmusiker von Comes Vagantes, die auf dem Schiff für Unterhaltung sorgen. Die einstündige Fahrt kostet 10 € und ist nicht im Ticketpreis enthalten. Dafür sehen wir jede Menge schöne Landschaft und erleben einen gelungen, entspannten Festivalauftakt. Die nette Bedienung freut sich über die schwarz gewandeten: „Endlich mal Leute, die etwas anders herumlaufen!“, sagt sie.

Auch in der Stadt werden wir mehr als ein Mal freundlich angesprochen, warum denn an diesem Wochenende so viele Besucher schwarz trügen. Die Lokalzeitung berichtet vom Festival auf der Titelseite. Die Atmosphäre erinnert ein klein wenig an Leipzig zu Pfingsten, aber das Schaulaufen fällt ersatzlos aus.

Blick vom Schiff auf derSchiffsfahrt auf der Weser zum Autumn Moon 2018.
Wie im Urlaub: Schiffsfahrt auf der Weser zum Autumn Moon 2018

Zu diesem Zeitpunkt ziehen wir ein erstes Resümee des Festivals:

Auf insgesamt vier Bühnen finden die Konzerte statt, alle sind fußläufig erreichbar. Für Stage-Hopper ist das Autumn Moon darum ideal, zumal man nirgendwo anstehen muss und immer überall eingelassen wird. Die Security ist durchgehend freundlich. Taschen und Rucksäcke werden zwar kontrolliert, das hält am Einlass aber nicht lange auf. Die Bühne der Haupthalle bietet alles, was auch große Festivals an Lasershow und Pyrotechnik auffahren.

Jede Location ist liebevoll dekoriert. In der Haupthalle gibt es künstliche, weiße Bäume mit schwarzen Laternen, in der Moon Stage, einem eigentlich nüchternen Partyzelt, zieren Bilder von alten Gräbern die Wände. Der Sound ist in allen Locations ausnehmend gut, auch wenn kleinere Tonprobleme bei einem Festival dieser Größe unvermeidbar sind.

Essens- und Getränkepreise bewegen sich auf Festivalniveau,  dafür aber recht moderat (Bier oder Cola 0,4 für 4 €). Im Außenbereich gibt es mit dem leckeren Pinkus sogar Biobier, innen das belgische Leffe – eher unbekannte Sorten, die man auf den großen Festivals vergeblich sucht. Überhaupt, die Verpflegung: Es gibt gutes, leckeres Essen für jeden Geschmack, darunter auch zahlreiche Optionen in Bio-Qualität und für Gemüseliebhaber. Verhungern oder verdursten muss wirklich niemand.

Bild von gruseliger Deko auf dem Autumn Moon Festival 2018.
Gruseldeko auf dem Autumn Moon

anreise zum Autumn Moon aus NRW

Von NRW aus kommt man übrigens unkompliziert mit der Bahn nach Hameln: Via Hamm und Paderborn. Von Köln dauert es etwa vier Stunden, von Münster zweieinhalb. Die gleichen Zeiten gelten für die Anreise mit dem PKW. Die Stadt mit ihrer historischen Bausubstanz ist sehr hübsch, und das gilt auch für die Gegend, in der sie liegt. Das Weserbergland macht seinem Namen alle Ehre. Der Fluss mäandert malerisch durch die hügelige Landschaft, und gerade jetzt, im Herbst, bilden die bunten Bäume eine tolle Kulisse. Wie schön, dass das Autumn Moon direkt am Weserufer stattfindet, und wie schön, dass man vom Markt aus auf den Fluss schauen kann. Apropos Markt: Es gibt einen kleinen, frei zugänglichen Mittelaltermarkt, den sogenannten Halloween-Mystik-Market, der neben schwarzen Accessoires auch Hippie-Kleidung und Musik feilbietet. Hier treffen sich Hamelner und Gothics, es ist ein friedliches Miteinander.

Bild vom Halloween Mystic Market in Hameln 2018.
Auf dem Halloween Mystic Market treffen sich Hamelner und Schwarzgewandete.

Vom sommerwarmen Schiff in die eiskalte Rattenfängerhalle: Eisfabrik sorgen hier zum Glück nur dem Namen nach für unterkühlte Momente. Das Publikum tanzt ausgelassen zu Weiberelectro, die ganz in weiß gehaltenen Künstler auf der Bühne freut das sichtlich. Ihre Kanonen speien zum Abschluss kein Feuer, sondern Schnee, und dazu hüpft noch ein Jeti auf der Bühne herum. Eine gelungene Show, die nicht nur den Fans sichtlich Spaß macht.

Danach geht es zur Moon Stage und damit zu The Essence: Die Band gibt es bereits seit 1984. Ihre Sounds sowie die Stimme des Sängers klingen eindeutig nach The Cure – und das führt bei uns, die wir die Band vorher nicht kannten, zu großer Begeisterung. Erst später erfahren wir, dass die Alben der Band lange ausverkauft sind und The Essence kaum noch Konzerte geben. Glück gehabt!

Einige Songs der gefeierten Newcomer von Wisborg auf der Schiffsstage nehmen wir ebenfalls noch mit. Das Gothic-Projekt von Konstantin Michaely und Nikolas Eckstein gibt es erst seit 2017. Der wavige Postpunk mit treibenden Gitarren und dunkler Stimme geht ins Ohr, ebenso das Duett mit der Sängerin von Grausame Töchter, die später noch ihren Auftritt haben werden.

The Other, Deutschlands bekannteste Horror-Punk-Band, zelebrieren ihr Genre nicht nur mittels der Bühnenoutfits. Mal auf Deutsch, mal auf Englisch bringen sie ihre schnellen, punkigen Songs dem gutgelaunten Publikum dar. Nebenbei erfinden sie den „Gothic Circlepit“, bei dem man nicht rennt, sondern geht. Das Publikum läuft folgsam im Kreis und biegt sich dabei vor Lachen - oh, Entschuldigung, natürlich lachen Gothics nicht. Niemals.

Bühnenbilder der Punkband The Other
The Other auf dem Autumn Moon 2018

Coppelius bieten ihren metallastigen KammerCore gewohnt witzig und mit viel Slapstick dar – da helfen auch die Anreden an die „sehr verehrten Damen und Herren im Publikum“ und die weißen Handschuhe zum Frack nicht, wenn die Künstler selbst so einen Lachanfall bekommen, dass sie einen Song mehrmals anspielen müssen. Schön ist das Iron-Maiden-Cover, bei dem das haarschüttelwillige Publikum kurzerhand auf die Bühne geholt wird oder das notwendige Putzen von Instrumenten während des Spielens. Wer Coppelius noch nicht live gesehen hat, der hat wirklich etwas verpasst (vorausgesetzt, er hat nichts gegen Albernheiten).

Co-Headliner sind an diesem Samstag die Schweden von Covenant, die live von Haujobb-Gründer Daniel Myer unterstützt werden. Covenant liefern mit ihrer überzeugenden Performance den Beweis dafür ab, dass tanzbare elektronische Musik nicht zwingend einfach sein muss. Sänger und Mastermind Eskil hüpft gut gelaunt und voller Dynamik über die Bühne; Daniel heizt das Publikum zusätzlich an.

Coppelius auf dem Autumn Moon 2018
Coppelius auf dem Autumn Moon 2018

Gute aussichten: autumn moon 2019

Autumn Moon 2019? Aber gerne doch!

Vom 18.-19. Oktober geht es weiter.

Über 600 günstige Early-Bird-Tickets haben bereits einen Besitzer gefunden. Noch einmal 500 stehen zum Verkauf (in diesem Jahr waren sie bereits Monate vorher ausverkauft, hier lohnt sich also das schnelle Entscheiden!).

Die ersten Bandbestätigungen für das Festival 2019 lesen sich wie folgt:

Solitary Experiments

Pink Turns Blue

Das Ich

Merciful Nuns - mit ihrer Abschiedsshow (letztes Konzert!)

Dark Side Eons

Burn

Microclocks

The Dark

Snow White Blood

QFT

V2A

Kowalski

Forgotten North

Nachtsucher

Rosi

 

Alle Infos unter autumn-moon.de

Early-Bird-Tickets gibt es hier.

 

Und wer noch mehr Bilder sehen möchte, beachte die NRW-Alternativ Bildergalerie zum Autumn Moon 2018: