Hank Green: Ein wirklich erstaunliches Ding

Cover von Hank Green: Ein wirklich erstaunliches Ding. bold 2018
Hank Green: Ein wirklich erstaunliches Ding. bold 2018

Hank Green, amerikanischer Youtube-Star und Bruder des Autors John Green, hat ein Buch geschrieben. Wenig überraschend handelt es vom Berühmtwerden in sozialen Netzwerken. Aber nein, es ist kein Sachbuch!

„Ein wirklich erstaunliches Ding“ erzählt die Geschichte der 23-jährigen April, die sich selbst für völlig durchscnittlich hält und eines nachts in New York auf ein originelles Kunstwerk stößt. Schnell ruft sie ihren Kumpel an, der einen semi-erfolgreichen Youtube-Channel betreibt, und sie drehen zusammen ein kleines Video über das „wirklich erstaunliche Ding“.

Am nächsten Tag sind sie mit einem Schlag berühmt, denn es stellt sich heraus, dass dieses Kunstwerk gleichzeitig an 23 Orten überall auf der Welt aufgetaucht ist – einfach so. Und April und ihr Freund waren die ersten, die es entdeckt haben. Also recherchieren sie weiter, produzieren mehr Videos, April kündigt ihren langweiligen Job, legt sich eine Agentin zu und bekommt sogar einen persönlichen Assistenten. Schließlich schreibt sie sogar ein Buch über die seltsamen Kreaturen, für die sich sogar die amerikanische Präsidentin interessiert (offenbar hat Hank das Buch vor den letzten US-Wahlen geschrieben). Mit einem Mal ist April reich und berühmt, und „Ein wirklich erstaunliches Ding“ zeigt, wie sie sich im Rummel von Medien und Meinungen mehr und mehr verändert.

Social-Media-hype und Rätselstory in New York

Es ist die begnadete Rednerin April, aus deren Sicht hier erzählt wird. Mal plaudert sie mit den Lesern, mal labert sie sie voll, mal lesen wir ihre Tweets und Posts. Ihre Stimme klingt meist so wie im ersten Satz des Romans, ein bisschen nett, ein bisschen naiv, ein bisschen überheblich und ein bisschen jugendlich: „Jaja, ich weiß – ihr erwartet hier ein Abenteuer-Epos voller Intrigen, Geheimnisse, Nahtod und echtem Tod.“ Das muss man mögen, man muss April mögen, und ich mochte sie. Die Ich-Erzählerin hat eine sympathische, mitunter auch witzige Schnauze, und man schaut ihr gerne beim Aufstieg zu. Damit das Ganze nicht zu oberflächlich wird (denn die eigentliche Story ist, naja, sagen wir mal, dünn) verknüpft der Autor seine Geschichte mit einer kleinen, aber feinen Analyse unserer Welt im 21. Jahrhundert. Dazu streut Hank hier und da kluge Sätze über Gesellschaft und Gegenwart ein, die lesen sich zum Beispiel so: „Macht drückt sich häufig darin aus, dass das Leben für die Mächtigen komfortabler ist als für andere. [...] Der typische Mittelschichtsamerikaner zum Beispiel gehört zu den reichsten und damit vermutlich auch zu den einflussreichsten drei Prozent aller Bewohner dieser Erde. Trotzdem empfinden sich diese Leute selbst als völlig durchschnittlich.“

Wer sich gut unterhalten lassen und gleichzeitig hier und da zum Nachdenken angeregt werden möchte, der ist mit „Ein wirklich erstaunliches Ding“ gut beraten. Es ist ein All-Age-Roman im besten Sinne. Denn Eltern und Großeltern der aktuellen Youtube-Generation können ihn lesen, um zu verstehen, was in den sozialen Medien eigentlich abgeht, und alle unter 20 können ihn lesen, um vielleicht mal ein Buch kennenzulernen, das nicht allzu weit von ihrer Lebenswirklichkeit entfernt ist. Wenn Leute unter zwanzig überhaupt noch Bücher lesen, heißt das. Hey Leute, hier wäre eines, das Euch bestimmt gefällt ;)

Abzüge in der B-Note gibt es nur für das offene Ende. Es ist Schade, dass Green so viele interessante Fragen aufwirft, die am Ende nicht beantwortet werden.

 

"Ein wirklich erstaunliches Ding" erscheint am 28. Februar 2019 bei bold.