Simone St. James: Die schwarze Frau

Cover des Buches: Simone St. James: Die schwarze Frau. Goldmann März 2019
Simone St. James: Die schwarze Frau. Goldmann März 2019

Eine schaurige Geschichte, die sich durch die Zeit zieht. Ein geheimnisvolles Internat. Eine junge, ambitionierte Journalistin auf der Suche nach einer Herausforderung. Jeder Schritt kann der letzte sein ...

Es heißt immer, große Verlage würden nur eindeutige Genreliteratur verlegen. Hier ist der Gegenbeweis: „Die Frau in Schwarz“ ist Geistergeschichte, Entwicklungsroman, Thriller und Familiendrama in einem. Trotz der vielen angeschnittenen Themen ist das Werk leicht zu lesen, nachvollziehbar und spannend bis zur letzten Seite.

In Vermont im Jahre 1950 existiert ein abgelegenes Internat namens Idlewild Hall. In das vernachlässigte Gebäude mit seinem strengen Regiment kommen Mädchen, die von der Gesellschaft ausgestoßen worden sind. Nachts erzählen sie sich Schauergeschichten von Mary Hand, dem Geist einer ganz in schwarz gekleideten Frau. Mary soll vor Jahrzehnten auf dem Grundstück des Internats ermordet worden sein und seither dort als Geist umhergehen. Fast jede Schülerin schwört, sie schon einmal gesehen zu haben. Auch der bunt zusammengewürfelten Zimmergemeinschaft 3C macht sie Angst, aber Sonia, Cecelie, Katie und Roberta entdecken, dass sie gemeinsam stärker sind als alleine und versuchen, das beste aus ihrer Situation zu machen. Bis ein furchtbares Unglück geschieht ...

Auch im Jahr 2014 ist die Ruine von Idlewild Hall noch immer ein unheimlicher Ort, obwohl das Internat schon vor Jahrzehnten aufgegeben worden ist. Für die 37-jährige Fiona ist es zudem ein besonders schrecklicher Platz, denn hier wurde vor 20 Jahren die Leiche ihrer Schwester gefunden. Und obwohl man ihren damaligen Freund anhand von Indizien ins Gefängnis gesteckt hat, ist sie sich bis heute nicht sicher, warum ihre Schwester tatsächlich sterben musste.

Als Gerüchte aufkommen, das ehemalige Internat werde von einer reichen Witwe restauriert, reißen ihre alten Wunden ungewollt wieder auf. Sie beginnt mit Nachforschungen zum Haus und zur Investorin, stößt allerdings zunächst auf eine Mauer des Schweigens. Doch nach und nach beginnt sie zu ahnen, dass hinter ihrer Geschichte noch etwas ganz anderes steckt ...

welche GEschichte verbindet 1950 mit 2014?

Bei Büchern, die zwei Zeitebenen verbinden, wie hier 1950 und 2014, ist eigentlich Vorsicht geboten. Doch Simone St. James schafft es, die beiden so unterschiedlichen Jahre logisch und atmosphärisch dicht miteinander zu verknüpfen, und zum Ende des Romans ergeben sich aus dem Zusammenspiel gleich mehrere überraschende Wendungen. Besonders die bedrückende Atmosphäre des Internats in der Nachkriegszeit hat die Autorin beeindruckend dargestellt, während gerade zum Ende hin die Figuren des Jahres 2014 deutlich hinter der Auflösung zurücktreten. Hoffentlich gibt es bald mehr historischen Stoff von Simone St. James, denn darin ist sie wirklich gut. Aber auch die schaurige Grundidee und die vielen kleinen, liebevollen Details lassen „Die Frau in Schwarz“ zu einer ebenso unterhaltsamen wie berührenden Lektüre werden. Eine spannende Zeitreise für alle, die Lust haben, sich einmal ein wenig abseits von Genregrenzen zu bewegen.

 

"Die schwarze Frau" auf der Seite des Goldmann-Verlags.