So war die 1. Wortwelten-Buchmesse in Münster

Ein Tisch mit bunten Büchern
Mit Farbschnitt oder ohne? Fantasy oder Romance? Auf der Wortwelten-Buchmesse konnten Interessierte unter einer großen Auswahl an Büchern wählen.

Privat organisierte Buchmessen gibt es seit einigen Jahren immer häufiger. Vor allem im dicht besiedelten Ruhrgebiet  oder großen Städten wie Köln und Düsseldorf werden sie oft veranstaltet. Nun fand die erste Buchmesse in der Stadthalle in Münster-Hiltrup statt, organisiert vom jungen WReders-Verlag.

Welche Art von Literatur wurde dort angeboten? Für wen lohnte sich der Besuch? Wie war die Resonanz? NRW Alternativ hat sich vor Ort umgesehen - und spekuliert darüber, ob es auch im nächsten Jahr eine Neuauflage der Wortwelten-Buchmesse geben wird. 

Der WReaders-Verlag ist ein junger Verlag aus Sassenberg im Münsterland. Das WR steht für "Writers and Readers", also Menschen, die sowohl Literatur konsumieren, aber als Fans auch durchaus selbst Geschichten verfassen. Verlagsinhaberin ist die 25-jährige Lena Weinert, die auch die Wortwelten-Messe organisiert hat. Sie selbst sagt zu ihrer Entscheidung für eine Messe in Münster: "Für uns ist Münster eine der Städte in denen wir uns am meisten aufhalten. Das war also ein "Wieso gibt es das hier eigentlich nicht"-Moment gefolgt von der Entscheidung, dann selber eine Messe zu organisieren. Ich bin seit 2019 mit meinem Verlag selbstständig und  damit auf unzähligen Messen unterwegs. Die Stadthalle Hiltrup kannte ich und habe dann einfach mal angefragt." 

Eine lächelnde junge Frau mit blauen Haaren und Elfenohren steht hinter einem Büchertisch.
Fantasy-Autorin Johanna P.Blum hat nicht nur ihren Stand, sondern auch sich selbst für die Messe in Schale geworfen. Sie ist aus dem Saarland angereist.

Das Verlagsprogramm des Wreaders-Verlags umfasst vor allem Bücher der Genres Romance und Fantasy, die sich an Menschen von der Teenagerzeit bis etwa 30 Jahre richten. Dementsprechend war auch auf der Messe vor allem junge Literatur vertreten, gut zu erkennen an bunten Buchcovern, vielen hellen Farben und zahlreichen Farbschnitten. Und das Konzept kam, so viel lässt sich auf jeden Fall sagen, bei der Zielgruppe sehr gut an: Wer sich morgens um elf an einen der Büchertische vorkämpfen musste, konnte hautnah erfahren, dass es entgegen des Klischees noch viele junge Menschen gibt, die gerne Bücher lesen und durchaus bereit sind, dafür auch Geld in die Hand zu nehmen. Der Eintritt kostete acht Euro an der Tageskasse oder fünf im Online-Vorverkauf. Die Büchertische, für die jeweils rund 100 Euro fällig wurden, waren bereits Monate vorher ausgebucht, es gab eine lange Warteliste. 

Messe für Selfpublisher und Nischenliteratur

Vor Ort war vor allem die junge Selfpublishing-Szene vertreten - also genau jene Autor:innen, die im regulären Buchhandel kaum sichtbar sind. Insofern war die Messe eine schöne Ergänzung zum stationären Buchgeschäft. Im Selfpublishing finden sich nämlich auch Nischen-Titel und Genres, die bei den etablierten Verlagen und großen Buchhandelsketten keinen Platz haben, weil sie nur eine sehr begrenzte Zielgruppe ansprechen. Um dennoch Sichtbarkeit zu generieren, sind diese Autor:innen neben dem eigenen Online-Marketing auch auf Messepräsenzen angewiesen, um auf sich und ihr Angebot aufmerksam zu machen. Das hat sich natürlich auch unter den Besuchenden herumgesprochen, von denen viele alternativ wirkten. Ganz offensichtlich sind sie bewusst zur Messe gekommen, vermutlich haben sie vorab für sie besonders interessante Autor:innen ausgemacht.

Und die Produzent:innen reagieren: Viele Schreibende haben längst nicht nur Bücher im Angebot, sondern Taschen, T-Shirts und andere Merchandise-Artikel mit Sprüchen, die zum Portfolio passen - und die, bei Bedarf, natürlich auch von den Schreibenden signiert werden können. Natürlich gab es aber auch klassische Buchbegleiter wie Lesezeichen auf der Messe zu kaufen. 

Ein Bücherstand auf der Wortwelten-Buchmesse in Hiltrup.
Liebevoll dekorierte Stände machten Lust darauf, einfach mal in die entsprechende Lektüre hineinzuschmökern.

Es gab allerdings auch die eine oder andere Autorin etablierter Verlage zu entdecken: Michaela Abresch beispielsweise, die bei Lübbe Familienromane veröffentlicht. Sie ist für die Wortwelten-Messe extra aus dem Westerwald nach Münster gekommen. "Ich dachte, ich probiere das einfach mal aus", erzählt sie. "Außerdem war ich noch nie in Münster. Gestern Abend haben wir uns noch die Stadt angesehen - das ist ja wirklich schön hier!"

Auf die Frage, ob sie angesichts des jungen Publikums denn zufrieden mit der Messe ist, sagt sie: "Also ich habe schon Bücher verkauft, die Käufer waren dann aber eher Menschen, die sie als Geschenk für Ältere mitgenommen haben. Meine Zielgruppe ist hier gar nicht vertreten. Aber es ist auch schön, mal nicht nur alleine am Schreibtisch zu sitzen. Ich habe nette Nachbarn und führe gute Gespräche. Aber nochmal für die Messe herkommen würde ich, Stand jetzt, eher nicht." 

Mann hinter Büchertisch mit Science-Fiction-Büchern, davor interessiert schauende Frauen.
Auch Science-Fiction, Krimis, Lyrik und Kinderbücher waren auf der Wortwelten-Buchmesse vertreten. Die Mischung insgesamt war eine sehr bunte, sodass alle Interessierten etwas nach ihrem Geschmack gefunden haben dürften.

Neben vielen begeisterten Stimmen gab es auch die eine oder andere Kritik: Die Büchertische standen teilweise so eng, dass die Menschen dahinter kaum hinein und hinausgelangen konnten. Viele Gänge waren sehr eng, gerade bei dem großen Andrang am Vormittag war oft kein Vorankommen möglich. Außerdem war auf der Homepage leider nicht ersichtlich, dass es im Rahmenprogramm auch Lesungen und Workshops gab. Eine Ausstellerin meint: "Aber das sind doch Kinderkrankheiten, die allen passieren, die zum ersten Mal ein solch großes Projekt organisieren. Insgesamt ist es toll, die Werbung hat funktioniert, alle sind mit Herzblut bei der Sache."

Gefragt, ob sie sich eine zweite Wortwelten-Buchmesse im nächsten Jahr vorstellen könnte, wollte Lena Weinert  direkt auf der Messe noch keine definitive Zusage geben. Aber: "Wir haben uns schon einen Termin reserviert und warten nun auf die Resonanz der Besuchenden und Teilnehmenden." Und wenn es danach geht, dann wird es bestimmt im Jahr 2026 eine Neuauflage der Wortwelten-Buchmesse geben.