
Zwei Tage rund um Veranstaltungen, Feiern und Events: Die boe - best of event in Dortmund präsentierte am 14. und 15. Januar Trends und Themen.
Die Veranstaltungsbranche hat es seit der Coronakrise nicht leicht: Erst verschärfte Hygiene -, nun Sicherheitsauflagen. Dazu kommt die allgemeine Teuerung. Viele Events, gerade auf kommunaler Ebene, werden aus Budgetgründen abgesagt. Außerdem klagt die Branche zumindest teilweise über ausbleibende Besucher, und die allgegenwärtige Krisenberichterstattung trübt die Feierlaune.
Wie blicken Expert:innen auf diese Herausforderungen? Welche Lösungsideen gibt es? NRW Alternativ hat auf der boe international, der Dortmunder Messe für Veranstaltungen, nach Antworten gesucht.
Naturgemäß gibt sich die Veranstaltungsbranche, gerade auf einer Messe, optimistisch. Und das schien sich zu lohnen: Die vier Hallen in Dortmund waren an den zwei Messetagen gut gefüllt, obwohl sich die Messe spürbar nur an Veranstaltende und Ausrichtende selbst und nicht etwa an ein interessiertes Publikum richtete. Neben Agenturen und Verleihfirmen gab es Angebote von Caterern, Veranstaltungs- und Tagungsorten sowie Veranstaltungstechnik. Außerdem präsentierten sich Künstler:innen und Expert:innen auf vielen verschiedenen Bühnen. Es gab also eine Menge zu sehen und zu erleben.
Trend digitale und KI-gestüzte Erlebnisse
Zielgruppe waren nicht nur Ausrichtende von öffentlichen Veranstaltungen wie beispielsweise Stadtfesten und Jubiläen, sondern auch größere Firmen, die für interne Events, Kongresse und Seminare Unterhaltung, Sport und Spiel sowie die passenden Räumlichkeiten buchen konnten. Gerade im Feld der Gruppenerlebnisse scheinen KI und Robotik-unterstützte Erlebnisse im Aufwind zu sein - ob KI-unterstützter Skizzenbot, vollautomatischer Bierausschank oder mehrdimensionale digitale Spiele, auf der boe gab es vielfältige Möglichkeiten für digitale Gruppen- und Einzelerlebnisse. Ist das also der neue Trend? Der Einzug des digitalen in die letzte Bastion des Analogen? Anhand der Messe lässt sich das schwer sagen, denn wer Stände auf einer Messe bucht, hat vorab vermutlich viel Geld und Zeit in die Entwicklung seiner digitalen Lösung investiert und möchte sie nun verkaufen. Darum wird der Anteil dieser digitalen Angebote auf der Messe im Verhältnis zur tatsächlichen Präsenz auf Veranstaltungen wesentlich höher sein.
Noch ausbaufähig waren hingegen die Themen Ökologie und Nachhaltigkeit. Ein Vortrag beschäftigte sich im Rahmen von Messebau mit der Wiederverwendbarkeit und Modularität der Materialien, und einzelne Ausstellende hatten als nachhaltig angepriesene Lösungen parat, doch im breiten Bewusstsein der Messe schienen Themen wie Recycling oder umweltfreundliche Veranstaltungskonzepte kaum eine Rolle zu spielen. Schade, denn gerade die Veranstaltungsbranche hat da noch viel Potenzial. Das fängt bei Goodies an und hört bei der Verpflegung noch lange nicht auf.

Auf der anderen Seite sah man in der Performance-Halle eindrucksvoll, was analoge Unterhaltung auch heute noch leisten kann: Ob ein Mini-Varieté-Theater (Motto: 8 Zuschauende - 8 Minuten), unterhaltsames Schuhputzen, Akrobatik, Musik oder Walking Acts - hier schienen der Fantasie (und dem Einsatz von Ganzkörperschminke) keine Grenzen gesetzt zu sein.
Spannende Fachvorträge
Ein weiterer Schwerpunkt der Messe waren die Vorträge, die auf vielen Bühnen in den vier Hallen stattfanden. Unterschiedliche Expert:innen sprachen über alles, was die Veranstaltungsbranche bewegt, von den aktuellen Sicherheitsauflagen über Ideen für Marketingevents mit wenig Budget bis hin zu allgemeinen Zukunftstrends. Die Bühnen wurden zusätzlich jeweils ganztägig moderiert, und das von Beginn an sehr zahlreiche vorhandene Publikum gerne miteinbezogen. Teilweise gab die starke Präsenz der Infos und Vorträge der Messe den Charakter eines Kongresses. Aber das schadete nicht - im Gegenteil: Sich im Messetrubel mal eine halbe Stunde setzen und interessanten, durchaus auf das Fachpublikum abgestimmten Vorträgen lauschen zu können, verlieh der Veranstaltung zusätzliche Attraktivität.
Besonders interessant und durch Studien untermauert war der Vortrag des Zukunftsforschers Tristan Horx , dessen "Anleitung zum wütenden Optimismus" der Veranstaltungsbranche auch in Zeiten von noch immer fortschreitender Digitalisierung und Technisierung gute Aussichten versprach. Warum? Weil die Menschen auf durch den Wegfall der körperlichen Arbeit mehr Freizeit und insgesamt länger eine aktivere Freizeitgestaltung haben. Außerdem führen Internet, KI und Digitalisierung nachweislich zu mehr Vereinsamung. Was aber tun Menschen dagegen? Sie treffen sich auf Events, auf denen sie analog ins Gespräch kommen können. Und: Für solche Veranstaltungen wird zunehmend mehr Geld ausgegeben.
Was also bleibt? Der Eindruck von der bunten und quirligen boe international zur Zukunft der Veranstaltungsbrache ist der, der eigentlich durchgängig für alle Branchen gilt: Es bleibt alles wie immer - nur anders.
In diesem Sinne findet die nächste boe 2027 am 20 und 21. Januar statt.


