
Nur wenige Meter vom Hammer Bahnhof entfernt befindet sich das städtische Museum. Es heißt "Gustav-Lübcke-Museum", weil die heutige städtische Sammlung auf den Privatbesitz eines Mannes zurückgeht, der - genau - Gustav Lübcke hieß. Anfang der 90er Jahre ist das Museum in den eigens dafür errichteten Bau eingezogen, in dem es noch heute untergebracht ist. Auch die Sammlung befindet sich, wie in zahlreichen städtischen Museen, auf dem Stand der 90er Jahre.
Einzelne Vitrinen und natürlich die Sonderausstellungen sind auf einem neueren Stand, und in der Dauerausstellung findet sich der Hinweis, dass das gesamte Museum umstrukturiert werde - zu bemerken war davon bei unserem Besuch allerdings nicht viel. Aber auch, wenn der didaktische Ansatz sichtbar aus den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammte, so lohnt sich der Besuch dieses zentral gelegenen Museums dennoch, denn es hat viele sehr schöne Ausstellungsstücke zu bieten. Außerdem ist Hamm als Stadt interessant, liegt sie doch an einem Knotenpunkt in NRW und war schon früh relativ groß. Gleiches gilt für die Sammlung des Herrn Lübcke. Und die Institution, die dahintersteht, ist noch viel älter: Bereits 1890 wurde das städische Museum gegründet. Rund 30 Jahre später gab der Kunsthändler und -Sammler Gustav Lübcke seine Schätze in die Obhut der Stadt - und dafür besitzt er vor Ort bis heute eine eigene Vitrine. Bei der Übergabe seiner Sammlung soll auch die entsprechende Namensgebung Bedingung gewesen sein, heißt es auf der Wikipedia-Seite des Museums.
Kuriosum: Die Ägyptische Sammlung und ihre Mumie
Eine Besonderheit und aus heutiger Sicht ein Kuriosum ist die Sammlung, die auf die Aktivitäten des Hammer Mumien-Vereins zurückgeht. Richtig gelesen: Es geht nicht um einen Scherz zu Halloween, sondern um ägyptische Mumien, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Entdeckungen europäischer Forscher auch hierzulande auf breites Interesse stießen. In Hamm war die Begeisterung so groß, dass sich ein Mumien-Verein gründete. Sein Ziel: Der Erwerb einer altägyptischen Mumie für die Stadt. Spenden wurden gesammelt, das Ziel erreicht. Neben dem eingewickelten Leichnam wurden auch noch viele andere Kleinodien aus ägyptischen Gräbern gesammelt. Sie begründeten die Ägyptische Sammlung, die heute so groß ist, dass sie eine eigene Abteilung innehat. Die damals so gefeierte Mumie befindet sich allerdings nicht mehr unter den ausgestellten Objekten: Sie wurde bei einem Bombenangriff im 2. Weltkrieg zerstört. In einem sehenswerten Sonderbereich rund um die Hammer Mumie ist heute allerdings eine Reproduktion ausgestellt, die nach einem Foto des Originals entstanden ist. Ob nicht der gesamte Bereich eigentlich zurück nach Ägypten gehört, ist eine Frage, die heute außerdem gestellt werden darf - und sollte.
Aktuell zeigt die Dauerausstellung des Gustav-Lübcke-Museums darüber hinaus kulturhistorische und regionalarchäologische Funde von der Steinzeit bis in die Gegenwart. Obwohl das Haus versucht, Entwicklungslinien aufzuzeigen und viele interessante Funde zu bieten hat, muss dieser breite Ansatz doch notwendigerweise lückenhaft bleiben. Zu sehen sind unter anderem ein Einbaum-Boot, Schmuckgegenstände aus dem Mittelalter und eine größere Sammlung von Möbeln und Gegenständen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Bildende Kunstwerke aus allen Epochen gehören ebenfalls zur Schau. Ergänzt werden die Stücke mit einzelnen Informationen zur Flora und Fauna Westfalens.
Wechselnde Sonderausstellungen ergänzen das Programm. Zusätzlich zu einem Besuch lassen sich Programme wie Führungen oder Kindergeburtstage buchen. Für einen Besuch der Dauerausstellung sind etwa zwei Stunden einzuplanen, die Sonderausstellung dauert - je nach Interesse an Themen und Ausstellungsstücken - noch mal eine Stunde.
Zum Museum gehört ein trotz der eigenwilligen Architektur des Gebäudes gemütliches Café namens "Kunstwerke" im 1. Stock, das unter einem Glasdach liegt und interessante Blicke auf den Innenhof ermöglicht. Außerdem gibt es einen Museumsshop.
Gustav-Lübcke-Museum: Eintrittspreise und Öffnungszeiten
Geöffnet ist das Museum täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, am Sonntag bis 18 Uhr.
Eintritt nur Dauerausstellung: 5 Euro
Eintritt Dauerausstellung und Sonderausstellung: 8 Euro
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre zahlen keinen Eintritt.
Am 1. Sonntag im Monat ist der Eintritt in die Dauerausstellung für alle frei.
Weitere Infos auf der Webseite des Gustav-Lübcke-Museums: https://museum-hamm.de

