Ian Bray: Moornacht

Cover des Buches: Ian Bray: Moornacht. Kriminalroman. Penguin 2026
Ian Bray: Moornacht. Kriminalroman. Penguin 2026

Ian Bray heißt eigentlich Arnold Küsters. Der Mönchengladbacher Journalist und Autor ist bekennender Cornwall-Fan und so ist es kein Wunder, dass er unter dem Pseudonym Bray nun schon die zweite Krimireihe im Vereinigten Königreich spielen lässt. Denn „Moornacht“ ist der Auftakt der sogenannten North-York-Moor-Reihe rund um das kleine Küstenstädtchen Whitby. Das übrigens existiert in Englands Norden tatsächlich, genauso wie das riesige namensgebende Moor. In der Gegend gibt es noch weitere Orte mit klingenden Namen wie Littlebeck oder Sandsend. Das klingt nach einem Landstrich, in dem liebenswerte Individualisten und grummelige Einsiedler leben – und genau das dachte sich auch wohl der Autor, als er das Team seiner imaginären Whitbyer Polizeiwache schuf:

Da gibt es zum einen Detective Chief Inspector George Bolton, der nur noch einige Jahre von seiner Pensionierung entfernt ist und darum vor allem keine Fehler machen möchte. Er ist ordnungsliebend und hält sich natürlich an sämtliche Vorschriften. Genauso ordnungsliebend, aber etwas jünger ist Detektive Sergeant Toby Waters.

Gestörte Ordnung im englischen Polizeirevier

Er hegt außerdem eine große Liebe für Sukkulenten und pflanzt sie darum auch im rauen nordenglischen Klima an – unter Glas, versteht sich. Diese Ordnung muss natürlich gestört werden.

In „Moornacht“ taucht bald statt des erwünschten gestandenen Kollegen, den George Bolton sich als Unterstützung erbeten hatte, Sam Fox auf. Die neue, junge, alkohol- und musikliebende Kollegin ist der frische Wind, der die Spießer vor Ort und ihre Ermittlungen gründlich durcheinander wirbelt – und natürlich bringt sie die Ermittelungen erst so richtig in Fahrt. Sie hält sich grundsätzlich nicht an Regeln, aber ihr Instinkt und ihr oft vorschnelles Handeln treiben alle anderen zur Weißglut, auch den Täter. Denn natürlich gibt es einen ernsten Todesfall: Im Moor ist die verkohlte Leiche eines örtlichen Magnaten gefunden worden, der Geld mit Glücksspiel und Immobilien gemacht hat. Ist es am Ende die chinesische Mafia, die in ihm einen Konkurrenten sah und ihn deshalb loswerden wollte? Oder liegt Samanthas Instinkt mal wieder richtig? Ihr zufolge gibt eine Parallele zu einem ähnlichen Todesfall von vor fünf Jahren, der damals aber als Unfall abgetan worden ist. Sam folgt dieser Fährte hartnäckig – auch dann noch, als sie schon längst vom Dienst suspendiert worden ist ...

Typisch deutscher Krimi in englischer Verpackung

Das Setting des Kriminalromans ist gut gewählt, und auch die gegensätzlichen Charakterzüge der Ermittelnden sorgen für jede Menge Unterhaltung. Aber wer ob des englisch klingenden Pseudonyms geglaubt hat, einen echten englischen Krimi zu lesen, wird enttäuscht. In bester deutscher Tatort-Manier sind die Figuren überzeichnet und der Kriminalfall ist trotz einiger Wendungen relativ durchsichtig. Auf vielen der über 450 Seiten erwartet die Lesenden mehr Erzählendes und Wiederholendes als tatsächliche Handlung, und so fällt es schwer, mit den Protagonisten mitzufühlen – zumal die mit ihren unterschiedlichen Schrullen alles dafür tun, um nicht sonderlich gemocht zu werden. Je nach Geschmack kann das zum Schmunzeln anregen, oder es kann einfach nur nerven. Englische Prosa ist da im Regelfall subtiler, und auch hier wäre weniger mehr gewesen: Weniger dick aufgetragene Figuren und Andeutungen statt permanentes Auserzählen hätten Stimmung und Geheimnis subtiler und nachhaltiger transportieren können. Wer hingegen gerne skurrilen Charakteren beim Fällelösen zuschaut und Poesie in Prosawerken ohnehin nicht vermisst, kann mit „Moornacht“ sicher gut unterhalten werden.


Ian Bray: Moornacht. Kriminalroman. Penguin Verlag 2026, 464 Seiten, 13 Euro. Paperback

 

ISBN: ‎ 978-3-328-11241-9

Alle Infos und Bestellmöglichkeiten gibt es auf der Seite des Verlags. 


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