
Sorgen kennen wir alle. Das Leben gibt uns immer wieder Grund zur Sorge - um uns selbst, unsere Familie und Freunde. Aber wie viele Sorgen sind normal - und was passiert, wenn wir uns zu viele Sorgen machen?
Martin Wehrle ist bekannter Psychologe und geht diese Fragen dementsprechend an. Er präsentiert Selbsttests, zeigt Fallbeispiele, nennt Studien und Quellen für verschiedene Sorgen-Typen und nennt zahlreiche Strategien, Methoden und Gedankenexperimente, die uns helfen können, mit den eigenen Sorgen stressfreier umzugehen. Das Ganze schreibt er nett, unkompliziert und stressfrei. Freundlich zeigt er neue Möglichkeiten auf, mit Ereignissen und Schicksalsschlägen umzugehen - solche Möglichkeiten, die uns selbst in kritischen Momenten sicher nicht bewusst sind. Er lädt dazu ein, immer wieder bewusst inne zu halten und die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Im Buch nennt er das "Kleine Zwischen-Impulse", aber es gibt auch hilfreiche Kapitel-Zusammenfassungen und ein Stichwortverzeichnis. Bereits beim Durchblättern des umfangreichen Taschenbuches wird schnell klar, dass es hier nicht um das passive Konsumieren geht, sondern um aktives Tun und eigenes Handeln.
Psychologie zum Mitnehmen
Dem Autor geht es darum, Menschen zu einem schönerem Leben zu verhelfen. Denn wen reizt die Vorstellung nicht, gänzlich sorgenfrei durchs Leben zu gehen, immer entspannt und gut drauf zu sein?Nun, darum geht es hier leider nicht - denn vermutlich ist das gar nicht möglich. Dieses Buch möchte dabei helfen, überflüssige und immer wiederkehrende, belastende Gedanken und Verhaltensmuster loszuwerden. Dabei erinnert Sprache und Methodik durchweg an eine psychologische Sitzung - mit diesem Buch erhalten wir also einen Taschen-Psychologen zum Mitnehmen, einen, den wir bei Bedarf gezielt konsultieren können.
Einiges in den Ausführungen des Autors wirkt recht tiefgehend und spezifisch, anderes kommt nicht über die Weisheit von Kalendersprüchen hinaus - wenn Wehrle in einem "Zwischen-Impuls" beispielsweise davon spricht, dass Gedanken Wirklichkeit erzeugen und wir daher doch bitte mehr über unsere Hoffnungen und Wünsche statt über unsere Sorgen nachdenken sollen oder wenn er sagt, dass Grübeln niemanden weiterbringt. Aber die unterschiedliche Qualität der Ratschläge ist durchaus verständlich, wenn der Autor mit nur einem Ratgeber möglichst vielen Menschen weiterhelfen möchte. Er kann eben nicht wie in einer psychologischen Sitzung vorab herausfinden, wer da eigentlich vor ihm sitzt, er muss möglichst viele Bedürfnisse bedienen. Darum ist auch je nach Interessenlage nur ein Teil von "Wer wärst du ohne deine Sorgen" interessant. Doch das macht nichts, das Buch ist durchaus zum kursorischem Lesen geeignet und durch Inhalts- und Stichwortverzeichnis sind verschiedene Themen relativ schnell auffindbar.
Die Erkenntnisse in diesem Werk sind aber tatsächlich nur für solche Menschen interessant, die von sich selbst wissen, dass sie deutlich mehr als andere zum Grübeln, Nachsinnen und sich-Sorgen-machen neigen. Alle anderen brauchen sich nämlich gar nicht erst darum zu sorgen, ob sie einen Psychologen brauchen - weder in echt, noch in Buchform.
Hier lässt sich probelesen:
Martin Wehrle: Wer wärst du ohne deine Sorgen? Gedankenspiralen stoppen, Ängste loswerden, Zuversicht gewinnen. Mosaik 2026
Taschenbuch 384 Seiten, 20 Euro
Mehr Infos und Bestellmöglichkeiten auf der entsprechenden Buch-Seite des mosaik-Verlags.
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